1. Liebe Interessenten,
    im Augenblick hat der Orden seine Pforten für Neuanträge auf Mitgliedschaft wegen interner Strukturarbeiten geschlossen. Sobald der Aufnahmestop aufgehoben ist, werden wir euch hier darüber informieren.
    Macht, Weisheit und Güte,
    Der Hohe Rat
  2. Dear prospective members,
    at the moment, our Order has closed its doors to new membership applications due to internal structural work. As soon as the application stop is over, we will inform you here.
    May the Force, wisdom and benevolence be with you,
    The High Council

Presse

2011 - Interview mit dem Bayrischen Rundfunk - Gründer Qui-Ran

INTERVIEW - 19.12.2011

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Ordensgründer Qui-Ran Demera im Interview des "Zündfunk" im Bayrischen Rundfunk mit Oliver Buschek
Interview anhören (klick)

Anlässlich einer jüngst durchgeführten Volkszählung in Tschechien, bei der 15.000 Menschen als religiöse Ausrichtung "Jediismus" angegeben haben, fand am 19.12.2011 ein Interview zu diesem Thema mit unserem Ordensgründer Qui-Ran Demera (Max v. Lütgendorff) statt.

Darin unterhielt sich Qui-Ran mit dem Zündfunk-Moderator Oliver Buschek des bayrischen Rundfunks darüber, wie ernst der Jediismus zu nehmen sei und inwieweit er als Religion oder Philosophie etabliert ist. In dem etwa dreiminütigen Gepräch wird deutlich, welche Grundaufassung der Orden der Hoffnung vertritt und was wir mit unserem Orden erreichen möchten.

Unser Dank gilt Aran Aryono (Uwe Caspari), der das Gespräch vermittelt hat und Herrn Oliver Buschek, der uns angehört und eine Plattform gegeben hat.

Bitte beachten Sie, dass dieses Interview nur zu Dokumentationszwecken verwendet werden darf und geistiges Eigentum des bayrischen Rundfunks und des Order of Hope ist.

Order of Hope, Dezember 2011
#35

2015 - Interview mit D-Radio Wissen - Gründer Qui-Ran

INTERVIEW - 01.02.2015

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Markus Dichmann - Max von Lütgendorff

Am 01.02.2015 fand ein Interview mit Ordensgründer Qui-Ran Demera über den OOH statt,
auf den D-Radio Wissen aus Köln bei einer Recherche aufmerksam wurde.
Bei einer Schalte von Köln nach Wien unterhielt sich Moderator
Markus Dichmann mit Qui-Ran über unseren Orden, seine Enstehung und andere, interessante Dinge.



Hier könnt ihr euch das Interview anhören.

Bitte beachtet, dass dieses Interview nur zu Dokumentationszwecken verwendet werden darf und geistiges Eigentum des D-Radio Wissen und des Order of Hope ist.

Quelle: DRadio Wissen Köln (klick)

2015 - Interview mit ME.Movies - Gründer Qui-Ran

Interview in der Dezemberausgabe 2015 der ME.Movies

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Meister Qui-Ran Demera / Daniel Krüger

Das Interview befindet sich in der Printausgabe der ME.Movies im Star Wars Special.
Hier sind die Scanvorlagen davon; um es in voller Größe zu sehen, bitte anklicken:

Interview ME 1.png Interview ME 2.png

Viel Freude beim Lesen und vielen Dank an Daniel Krüger für die Gespräche mit uns.

Dezember 2015​

2015 - Der Orden in "Die Welt" - Artikel

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Der 33-jährige Jedi Max von Lütgendorff führt den "Order of Hope" an. Er und eine Handvoll weiterer Fans sahen mehr in der "Macht" aus den Filmen. Hauptberuflich ist von Lütgendorff Opernsänger

In vier Semestern zum Jedi -Artikel in "Die Welt" (klick)


Die Faszination der Filmreihe "Star Wars" ist ungebrochen. Doch ist die Saga eine Religion? Für die Mitglieder des einzigen deutschen Jedi-Ordens zumindest eine Philosophie und Lebenseinstellung.
von Daniel Krüger

Im Sommer war der Ostseestrand in Schönberg für kurze Zeit nicht der Ostseestrand bei Schönberg, sondern ein weit entfernter Planet. Yavin IV vielleicht, oder Endor oder Naboo. Fast drei Dutzend Jedi-Ritter tummelten sich in den aus "Star Wars" bekannten Roben und mit Lichtschwertern bewaffnet im Sand. Sie veranstalteten Schwertkämpfe und eigenartige Zeremonien. Am Ende wurde ganz irdisch für Fotos posiert.
Die deutschen Jedi veranstalteten dabei mehr als ein Laientheater für Nerds. Sie sind Mitglieder des "Order of Hope", glauben wirklich an die Existenz der "Macht". An jene alles bestimmende Kraft, die vor Jahrzehnten ebenso wie Darth Vader und Luke Skywalker in George Lucas' Kopf entstanden ist.

Menschen, die es mit dem Jeditum ernst meinen

Am 17. Dezember kehrt "Star Wars" auf die Kinoleinwände zurück. Mit neuen und alten Helden, begleitet von gigantischem Marketingtamtam und höchstwahrscheinlich mit Besucherzahlen, die sogar den absurden Hype der vergangenen Monate rechtfertigen können. Die Faszination um die Filmreihe ist seit Jahrzehnten ungebrochen, die popkulturelle Verankerung der Saga so fest wie bei keiner anderen Marke.
Wie es überhaupt so weit kommen konnte, lässt sich nicht so genau sagen. Experten, Kritiker und Psychologen arbeiten sich regelmäßig an Erklärungen für das Massenphänomen "Star Wars" ab. Fest steht aber, dass die Fankultur so weit vorangeschritten ist, dass den Filmen per se nicht mehr die allergrößte Bedeutung zukommt. Beim "Order of Hope" ist das nicht anders.

"Liest man die Bücher rund um 'Star Wars' oder den Jedi-Kodex, sieht man, dass da noch viel mehr dahintersteckt, als auf der Leinwand passiert. Im Jeditum steckt viel von buddhistischen Erzählungen und fernöstlichen Strömungen", erklärt Max von Lütgendorff, Mitbegründer des "Order of Hope", der einzigen deutschen Anlaufstelle für Menschen, die es mit dem Jeditum ernst meinen.

Die "Macht" als Richtlinie für ein besseres Leben

Von Lütgendorff ist 33 Jahre alt und hauptberuflich Opernsänger. Und so sieht der gebürtige Bayer, der aktuell in Wien arbeitet, auch in etwa aus: Etwas kräftig, sehr gepflegtes Äußeres, freundliche Augen. Bis 2005, dem Jahr, in dem der bisher letzte "Star Wars"-Film erschien, war er Mitglied in einem Science-Fiction-Kostümklub, wie es überall auf der Welt Hunderte gibt. Doch nur ab und zu Klamotten aus "Star Wars" zu tragen, nur zu spielen, reichte ihm nicht aus.

Er und eine Handvoll weiterer Fans sahen mehr in der "Macht", der religiös-mythischen Strömung aus den Filmen. Viel mehr sogar. Eine Richtlinie, nach der es sich zu leben lohnt. Also rief von Lütgendorff 2005 einen Jedi-Orden ins Leben, dem er als Ratsmitglied Qui-Ran Demera vorsteht. Zehn Jahre nach der Gründung summiert sich die Anzahl der Jedi auf eine Hundertschaft.

Die "Macht" verbindet alles und jeden

"Star Wars" wird zwar von Millionen Fans überspitzt als Religion bezeichnet. Die Zahl derjenigen, die aber tatsächlich an karmaähnliche Strömungen der "Macht" glauben, beläuft sich weltweit auf einige Zehntausend. In Australien hat es der Jediismus zur eingetragenen Religion geschafft. In England wurde er bei einer Volksbefragung kurz nach der Jahrtausendwende 15.000 Mal als Konfession angegeben.

Blitze aus den Fingern abfeuern, Gedankenkontrolle, Gegenstände per Telepathie bewegen – in den "Star Wars"-Filmen verleiht die "Macht" den Jedi die tollsten Kräfte. Von Lütgendorff weiß natürlich, dass das Quatsch ist. Er denkt aber schon, "dass es da etwas gibt". Eine unsichtbare Kraft, die alle Lebewesen verbindet. Und daran könnte man genauso gut glauben wie an Gott.
Dennoch würde der Jedi nicht so weit gehen, die "Macht" zur Religion zu verklären. Eine Lebensphilosophie muss sie sein, sonst wäre Juden, Christen oder Muslimen der Weg zur "Star Wars"-Erleuchtung ja versperrt. Die Kernthese der Philosophie: Alle Lebewesen sind miteinander verbunden. "Allein dieses Gefühl, wenn man spürt, dass es einem geliebten Menschen nicht gut geht, ohne dass man ihn gesehen oder gesprochen hat", veranschaulicht der Anführer des Ordens seine Lesart der "Macht".

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Der Rat der Jedi-Ritter bei einer Zeremonie des „Order of Hope“. Die Mitglieder des Ordens sind über ganz Deutschland verteilt. Einmal im Jahr findet die feierliche Hauptversammlung statt

Die großen Fragen des Lebens – und Lichtschwerter!

Die Mitglieder des Ordens sind über ganz Deutschland verteilt, halten alle paar Wochen regionale Stammtische ab. Einmal im Jahr findet die feierliche Hauptversammlung statt. Zuletzt eben an der Ostsee, im Jahr zuvor auf einer Burg in Hessen. Bevorzugt an Orten, die auch ein bisschen Natur und Setting für gute Fotos bereithalten. Die Jedi tragen dann voller Stolz ihre Roben, nennen sich bei ihren Jedi-Namen und befördern Padawane, die Lehrlinge, in den Rang von Rittern oder Meistern.
Dazu wird viel debattiert. Über "Star Wars" oder die Ausrichtung des Ordens. Über das Weltgeschehen und die Sorgen der einzelnen Jedi. Einmal hätte die Kraft der Gemeinschaft einen Alkoholiker von seiner Sucht befreit. Weil sie ihm eine Stütze sein konnten und der Jedi-Kodex praktischerweise viele Ratschläge für ein besseres Leben bereithält.
Der Orden, dem jung und alt, männlich und weiblich, Hausfrau und Martial-Arts-Kämpfer angehören, will seinen Mitgliedern einen Mehrwert bieten. Konstanten Halt in persönlichen Krisen, geduldige Ansprechpartner für jede Frage und Profit von der Lebenserfahrung des jeweils anderen. Zwischendrin ist natürlich immer noch Zeit für ein freundschaftliches, ungefährliches Duell mit dem Lichtschwert – was muss, das muss.

Per Fernschule zur Jedi-Erleuchtung

Der Weg zur hellen Seite der Macht beginnt in einem schmucklosen Web-Forum. Zwar sind die Bösen in "Star Wars" bei Fans ebenso beliebt, in der Realität kann man auf die sogenannten Sith aber ganz gut verzichten. Die ersten Schritte auf dem Weg zum Jedi also: informieren, anmelden, einen Mentor suchen. Dann beginnt das Jedi-Training. Und zwar per Fernstudium.

Max von Lütgendorff hat gemeinsam mit anderen selbst ernannten Jedi eine theoretische und kostenlose Ausbildung entwickelt, abgeleitet vom Kodex der Jedi. In Fächern wie "Umgang mit der Macht" müssen sich Ordensneulinge zu philosophischen oder gesellschaftlichen Fragen äußern. Wie nutze ich meine eigene Energie, um anderen zu helfen? Wo ist mein Platz in der Gesellschaft? Und ist das alles überhaupt wichtig? Ein erfahrener Jedi wertet die Antworten aus, benotet am Ende den Einsatz des Schülers. Die Ausbildung hat wenig mit "Star Wars"-Trivia zu tun. Ziel ist Selbstfindung sowie Stärke im Alltag.
Nach vier Semestern ist man theoretisch ein Jedi. Bis dahin sollen die Padawane sich ausreichend Gedanken über sich selbst und ihr Wirken auf ihr Umfeld gemacht haben. "Ziel dieser Ausbildung ist es, mit dem eigenen Wissen und mit Güte im Herzen im Leben stehen zu können und selbstständig das erreichen zu können, was einem in die Wiege gelegt worden ist", steht dazu auf der Website des Ordens. Zu "selbstständigen, klugen und dabei gütigen Individuen" sollten sich seine Anhänger entwickeln.

Ein bisschen Selbsthilfegruppe, ein bisschen Sekte?

Philosophische Studien über das Internet? Lehren, die aus einem Science-Fiction-Film abgeleitete sind? Dazu auch noch mit Leuten, die sich allzu gern im Wald als Weltraumritter verkleiden? Das Konzept des "Order of Hope" könnte auch die Blaupause für eine Psychosekte sein. Max Von Lütgendorff erzählt, dass seine Organisation sogar schon von den Behörden überprüft worden sei. "Am Ende wurde uns sogar bescheinigt, wir wären eine sinnvolle pädagogische Ergänzung zum Schulunterricht."
Doch was ist, wenn in den neuen Filmen etwas geschieht, das das gesamte Konzept der "Macht" auf den Kopf stellt? Durch einen Storytwist die fiktive Mythologie einfach umschubst, die sich von Lütgendorff und Tausende andere ganz real in ihr Leben eingeflochten haben? Max von Lütgendorff sagt, es würde sich überhaupt nichts ändern. Fans und diejenigen, die wie er etwas weiter gehen, haben sich eine Identität geschaffen, die zwar auf der Sternensaga fußt, mitterweile aber völlig losgelöst davon fortgeführt wird.
Im Kino werden die Mitglieder des Ordens natürlich trotzdem sitzen, einige davon in Roben und vielleicht sogar mit Lichtschwert. Und dann werden sie sich für ein paar Stunden von "Star Wars" aus einer Realität entführen lassen, deren Mittelpunkt irgendwann "Star Wars" geworden ist.

2015 - Interview mit Radio ORF - Padawan Kahar-Ni

Interview vom 19.12.2015 mit Radio ORF Wien

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Padawan Kahar-Ni Kun - Robert Tolotta


Das Interview wurde am 19.12.2015 mit Ö1 Robert Tolotta geführt, anlässlich der Star Wars VII Premiere und der kürzlich eröffneten Star Wars Identities Wanderaustellung in Wien.

Das Interview dient nur zu informativen Zwecken; die Rechte liegen bei den Beteiligten alleine.​

2018 - Interview mit Novizin Kas Iridian

Hass im Internet Katrina Reichert wird massiv bedroht und kann nichts dagegen tun

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Foto:Thomas Banneyer (gnadenlos gephotoshoppt by Qui-Ran Demera)
  • Katrina Reichert ist transgeschlechtlich, lesbisch und Feministin. Im Internet erhält sie menschenverachtende Nachrichten.
  • Sie fällt Menschen zum Opfer, deren Hobby es ist, Hass zu verbreiten.
  • Wer verstehen will, was ihr widerfahren ist, muss in eine Parallelgesellschaft blicken, die versteckt und leise entstanden ist.

Düsseldorf

Eine Kanne Arabica-Kaffee und zwei Schachteln Zigaretten hat Katrina Reichert gebraucht, um heute fit zu werden. Jetzt steht sie an einer Kreuzung in Düsseldorf, die Hände kramen in den Hosentaschen. Die Fußgänger-Ampel ist noch rot. Noch eine, die letzte Kippe. Katrina Reichert, das ist ihr Trick, raucht ihre Gefühle, den Stress und die Wut, einfach auf Lunge.

Die Sonne knallt gnadenlos vom blauen Himmel, es ist einer der letzten schönen Tage des Jahres. Die Ampel wird grün. Hallo Frau Reichert, geht's gut? „Überhaupt nicht“, sagt sie. Und lächelt. Immerhin. Es ist schwierig, wirklich zu verstehen, was Katrina Reichert widerfahren ist, immer noch widerfährt. Wer es versuchen will, muss in eine Parallelgesellschaft blicken, die versteckt und leise entstanden ist – im Internet. Und riesige Auswirkungen auf die Lebensrealität ihrer Opfer hat.

Man solle sich ihr „widmen“

Im Winter 2013 beginnt eine virtuelle Hetzjagd, in der Katrina Reichert keine Möglichkeit haben wird, wegzulaufen. Unbekannte fangen an, Material über Reichert zu sammeln. Sie selbst bekommt das zu diesem Zeitpunkt gar nicht mit, sie kennt keinen der Nutzer. In einem Gruppenchat verhöhnen und beleidigen sie Reichert. Im November 2015 reicht ihnen das nicht mehr. Einer von ihnen postet Reicherts Twitter-Accountnamen in das Forum. Man solle sich ihr „widmen“.

Es dauert nicht lang, dann wird Katrina Reichert ganz öffentlich gehasst. Von Hunderten Menschen. Jeden Tag. Online. Warum, das weiß sie selbst nicht. Weiß niemand. Vielleicht ist es Willkür. Wahrscheinlich, sagt sie, weil sie so ist, wie sie ist. Katrina Reichert ist transgeschlechtlich, lesbisch und Feministin. „Schauen Sie mich an, ich habe eine rote Zielscheibe auf der Brust“, sagt sie. Auf Twitter tritt sie damals lautstark für die Rechte von Transgeschlechtlichen ein. Die ersten Nachrichten, die ersten Beleidigungen. Reichert reagiert. Noch. Denkt, sie könne mit denen diskutieren. Nach wenigen Versuchen merkt sie: Die wollen nicht reden.

Reichert weigert sich, Angst zu haben

Wenige Tage vergehen, dann bekommt Reichert mehr als 100 Hassnachrichten am Tag. Die Absender sind anonym, immer versteckt hinter kryptischen Nutzernamen. Es sind Trolle, Menschen, die im Internet möglichst extreme Dinge von sich geben, um möglichst heftige Reaktionen zu erhalten. Sie schreiben ihr: Alle Transen ins Gas. Sie montieren Reichert einen Hitlerbart ins Gesicht und eine Hakenkreuz-Armbinde auf den Arm. Sie sagen, sie sei doch ein Mann. Das verletzt sie am meisten. Auch auf anderen Portalen und per Mail finden sich die Beleidigungen.

Und dann tricksen sie Reichert aus. Über ein Inserat in einem Online-Auktionshaus finden sie ihre Adresse heraus. Stellen sie online. Am nächsten Tag liegt der erste Drohbrief in Reicherts Post. Man solle sie öffentlich erhängen, steht drin. Reichert hat seitdem eine Waffe auf ihrem Nachttisch liegen. Vorsichtsmaßnahme. Sie weigert sich trotzdem, Angst zu haben. Nur wie wehrt man sich gegen einen Gegner, der immer aus dem Verborgenen angreift? Es ist eine neue Form des Cybermobbings. Denn anders als in der gängigen Auffassung kennen die Opfer die Täter nicht.

Polizei sagt: Da könne man nichts tun

Reichert dokumentiert die Hetze und geht zur Polizei. Eine halbe Stunde habe es gedauert, erzählt sie, bis die aufnehmenden Beamten überhaupt verstanden hätten, was da los ist, im Internet. Dann die Auskunft: Da könne man nichts tun. „Die haben mir gesagt: »Wenn Sie im Internet so hart angegangen werden, dann gehen Sie da halt nicht mehr hin.«“ Als rate man einem Gewaltopfer, eben nicht mehr gegen Fäuste zu laufen.

Reichert beginnt, selbst nach den Identitäten hinter den Angriffen zu suchen. Vergeblich. Während ihrer Recherche stößt sie allerdings auf andere Betroffene. Und merkt, dass sie nicht allein ist. Im Gegenteil. Sie ist nur ein Opfer eines riesigen, organisierten Hass-Netzwerks. Aus 200 bis 300 Kernaccounts besteht diese Szene, gelegentliche Mitstreiter treiben die Zahl der Beteiligten auch mal in den vierstelligen Bereich. „Sifftwitter“ wird das Netzwerk von Außenstehenden genannt. Zusammen wird dort beleidigt und denunziert. Online-Hasswellen als Gemeinschafts-Events. Wenn einer der Angreifer gesperrt wird, macht er sich ein neues Profil. Wenn die Opfer versuchen, die Accounts zu blockieren, auch.

Wie weit diese Szene bereit ist zu gehen, zeigt am besten der Fall von Rainer Winkler. Ein Bayer, der unter dem Namen „Drachenlord“ Clips auf die Videoplattform Youtube stellt. Weil auch er Hunderte Hassnachrichten pro Tag bekam, stellte Winkler 2013 in einem Wutanfall seine Adresse ins Internet. Und forderte sie auf: Kommt her, wir regeln die Sache persönlich.

Ab da wurde es für sie ein riesiges Spiel. Es gibt Videos, wie Menschen Getränke-Dosen auf das Grab von Winklers Vater werfen. Und andere, in denen sie ihn maskiert attackieren. Ende August belagerten etwa 600 bis 800 von ihnen das Haus von Winkler, das in einem bayerischen 40-Seelen-Dorf liegt. Ein 24-Jähriger, der Chemikalien zum Bombenbau auf Winklers Namen bestellte, sitzt mittlerweile im Gefängnis.

Hetze ist ihr Hobby

„Dabei sind auch die Leute, die Katrina Reichert terrorisiert haben“, sagt Luca Hammer. Er ist bislang der Einzige, dem es gelungen ist, zumindest Teilidentitäten hinter den Accountnamen aufzudecken. Hammer ist Social-Media-Analyst. Er hat die Angriffe ausgewertet. „Das sind keine arbeitslosen Rechten“, sagt er. „Das sind ganz normale, berufstätige Menschen. Das meiste passiert nach Feierabend.“ Alles, was sie Reichert oder Winkler angetan haben, sei kaum mehr als eine schlichte Freizeit-Beschäftigung.

Eine krude und eigendynamische Mischung aus Anonymität, Langeweile und Ruhmsucht. Die Szene greife an, wenn sich einzelne Nutzer irgendwie in ihrer Meinungsfreiheit beschnitten fühlen würden. „Zum Beispiel durch Reicherts Feminismus.“ Für sie ist das spaßiger Zeitvertreib, ein Wettbewerb, wer die krasseste Hassnachricht schreiben kann. Für ihre Opfer Tortur.

„Klar wird das am Ende gefährlich für die Opfer. Jeder will immer noch einen Schritt weiter gehen“, sagt Hammer. Er glaubt, selbst wenn die Polizei eingreifen würde: Es fehlten die Ressourcen, um die Täter anhand ihrer IP-Adresse – die Spur des eigenen Computers, die jeder Nutzer im Internet hinterlässt – ausfindig zu machen. Möglich wäre das seit Oktober 2017, seit Inkrafttreten des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes. Nur wäre der Aufwand riesig. Beleidigung und üble Nachrede sind verhältnismäßig geringfügige Straftaten.

Twitter-Account gesperrt

Reichert hatte sich einst mit acht anderen Opfern organisiert, sie wollten eine Sammelklage abgeben. Von dem Anwalt habe sie allerdings seit zwei Jahren nichts mehr gehört. Vielleicht, glaubt sie, weil auch er das Problem nicht in Gänze verstand.

Viel Zorn, ein wenig Ohnmacht. Noch immer finden sich beinahe täglich neue Hassnachrichten gegen Reichert. Allerdings ist sie auf Twitter nicht mehr aktiv. Keine eigene Entscheidung. Die Plattform, die dafür bekannt ist, kaum Inhalte zu entfernen, hat ihren Account gesperrt. Ironischerweise wohl, weil Reichert selbst in den Antworten ausfallender geworden ist. „Die haben mich mundtot gemacht“, sagt sie. Inzwischen hat die Szene sich neue Opfer gesucht. Ohne Reaktionen funktionieren die Aktionen schließlich nicht.

Daten werden oft nicht weitergegeben

In Nordrhein-Westfalen gibt es bereits seit April 2016 die Zentral- und Ansprechstelle für Cybercrime (ZAC), die von der Staatsanwaltschaft Köln geführt wird. Sie soll Phänomene der Cyberkriminalität frühzeitig erkennen und einheitliche Standards und Strategien zur strafrechtlichen Bekämpfung entwickeln. Auch Schulungen von Beamten sind ihre Aufgabe. Fälle wie der von Reichert werden laut Auskunft des NRW-Justizministeriums allerdings immer noch von den zuständigen Staatsanwaltschaften bearbeitet.

Das größte Problem sind laut NRW-Justizminister Peter Biesenbach die sozialen Netzwerke selbst. In 40 Prozent der Fälle würden erbetene Daten von mutmaßlichen Tätern nicht übergeben. „Ohne die Information, wer einen Inhalt eingestellt hat, können wir Strafverfolgung nicht betreiben“, sagte Biesenbach im Oktober. Eine offizielle Statistik, wie viele Straftaten im Zusammenhang mit Cyberkriminalität in Deutschland oder NRW angezeigt werden, gibt es nicht.

Quelle: Kölner Stadtanzeiger
FAQ Manager ©2020 Iversia from RPGfix.
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